Sicher hast Du es auch schon mal gehört oder gelesen: Angst ist nicht real! Und Du hast den Kopf geschüttelt und gesagt „So ein Schwachsinn, wenn ich Angst vor etwas habe, ist das sogar sehr real! Frag mal meine Magenschmerzen! Mein Grummeln im Bauch oder im schlimmsten Fall sogar meine Panikattacken! Ich gebe sie Dir mal ab, dann siehst Du selbst, wie real die sind!“

Danke, ich möchte sie nicht haben! Und ja – Du hast Recht. Und dennoch liegst du falsch! Und was ich damit meine, möchte ich Dir an einem kleinen Beispiel aufzeigen.

Stell Dir vor …

Stell Dir vor, Du bist Briefträger und weißt, an einer der Adressen, die zu Deiner Tour gehören, lebt ein Hund. Ein Hund, der, wann immer Du nur am Grundstück vorbeikommst, einen Heidenaufstand macht. Er knurrt, er kläfft und er springt aus dem Stand so hoch, dass du immer betest, der Zaun möge ihn halten. Du hattest noch nie Post für diese Adresse, aber oft genug bist Du an diesem Grundstück vorbeigegangen und jedes Mal machte der Hund diesen Aufstand. Du magst Hunde, aber dieser ist echt … respekteinflößend, um es vorsichtig auszudrücken.

Eines Tages dann ist es so weit. Du hast Post für eben die Adresse, an der auch dieser gefährliche Hund lebt. Und damit nicht genug, denn es ist ein Paket und das wiederum bedeutet, Du wirst das Grundstück betreten müssen. Schon auf dem Weg dahin überlegst du Dir, wie Du das am besten machst. Bisher bist Du immer im weiten Bogen um das Grundstück gegangen, um das Tier nicht noch weiter zu reizen und eventuell dazu zu bringen, den Zaun doch noch zu überwinden. Vor Deinem inneren Auge siehst Du diesen großen und hoch aggressiven Hund schon mit gefletschten Zähnen auf Dich zu rennen und sein immenses Gebiss in einem Deiner Körperteile versenken.

Dein Blutdruck steigt, Du spürst Deinen rasenden Herzschlag, der sich, je näher Du der Adresse kommst, noch mehr zu beschleunigen scheint. Die ganze Tour vorher ist überschattet von diesem einen Gedanken: „Wie komme ich an diesem Hund vorbei, ohne dass dieser mich zerfleischt?“ Du weißt, dass das Haus außen am Tor eine Klingel hat, doch Du bist dir ganz und gar nicht sicher, dass das Tor ausreicht, um das Tier von Dir fernzuhalten.

Die Stunde der Wahrheit …

Und schließlich ist es so weit. Du erreichst das Grundstück und kaum, dass der Hund Dein leuchtend gelbes Postauto auch nur sieht, beginnt er mit seinem Gewerke. Er bellt und knurrt und springt und versucht alles, um möglichst schnell in deine Richtung zu kommen und nur der Zaun hält ihn auf. Dein Puls rast und Dir bricht der Schweiß aus. Mit zitternden Knien holst du das Paket aus dem Wagen und nimmst vorsorglich schon einmal eine Benachrichtigungskarte mit. Wenn es sein muss, wirst du Dein Leben schützen, auch wenn das bedeutet, dass die Hundebesitzer in die nächste Stadt fahren müssen, um an ihr, nicht gerade leichtes Paket zu kommen.

Vorsichtig näherst Du Dich dem Tor, immer einen Seitenblick fest auf den Hund gerichtet, der weiter sein Schauspiel abzieht. Um die Klingel betätigen zu können, musst Du ganz nah an den Zaun heran. Du nimmst all Deinen Mut zusammen und drückst auf die Klingel. Du hörst, dass sie im Haus ihr „DingDong“ absetzt. Der Hund hört es auch und … plötzlich verstummt sein Bellen und das Springen hört auf! Schwanzwedelnd kommt er an den Zaun, jault und fiept und zeigt alle Anzeichen von Freude. Aus dem Haus kommt jetzt auch der Besitzer und als er das Tor erreicht, öffnet er es, ungeachtet der Tatsache, dass sein Tier dadurch entwischen könnte. Und genau DAS macht der Hund! Rennt schwanzwedelnd auf Dich zu, springt dich an, schmeißt Dich um und leckt Dir einmal kräftig mit seiner feuchten Zunge durchs Gesicht!

Die nächste halbe Stunde verbringst du zwischen Spielen mit dem Hund und dem Gespräch mit seinem Besitzer. In dem Du erfährst, dass sein Frust dem Zaun gilt, nicht dem Menschen dahinter. „Er würde am liebsten mit jedem Menschen spielen, aber mancher ist davon halt nicht so begeistert! Und da ich ihn nicht den ganzen Tag einsperren möchte, ist das im Moment die einzige Lösung!“

Warum also diese Angst?

Als Du Deine Tour weiterfährst, hast Du einen, nein zwei neue Freunde gefunden. Den Hund – und seinen Besitzer, der auch froh ist, einen weiteren Menschen gefunden zu haben, der sowohl ihn als auch seinen Hund mag. In Zukunft wirst Du Leckerchen dabeihaben, wenn Dir diese Tour zugeteilt wird, und Du wirst nicht mehr die Straßenseite wechseln, sondern ans Tor gehen und Deinen neuen Freund begrüßen. Du hast Deine Angst besiegt.

Doch wie hätte es laufen können, wenn Du Dich Deiner Angst nicht gestellt hättest? Du hättest versucht, diese Tour abzugeben, Du hättest ggf. etwas getan, was vielen Paketzustellern zur Last gelegt wird, nämlich diese Adresse einfach ausgelassen und elektronisch benachrichtigt. Vielleicht wäre Dir auf deiner Ersatztour wirklich etwas begegnet, das negativ für Dich gewesen wäre … wer weiß das schon.

Bevor ich Dich jetzt mit Deinen Gedanken dazu wieder allein lasse, möchte ich Dir noch etwas anderes mit an die Hand geben denn:

Hätte, wenn und Aber …

Nehmen wir einmal an, der Hund wäre wirklich bösartig gewesen. Und nehmen wir einmal an, der Hund HÄTTE Dich gebissen. Dann wäre trotzdem BIS zu dem Zeitpunkt, zu dem er Dich gebissen hat, überhaupt noch nichts passiert, richtig? Also wäre Deine gesamte Angst umsonst gewesen. Denn in DEM Moment, in dem er Dich gebissen hätte, hätte Deine Angst auch keinen Sinn gehabt – ab davon, dass Du in DIESEM Moment keine Angst mehr gehabt hättest, sondern Schmerzen.

Versteh mich bitte richtig: Es geht hier NICHT darum, nicht mehr vorsichtig zu sein und potenziell gefährliche Situationen richtig einzuschätzen, bevor sie eintreten. Es geht darum, die Zeit vor dem eigentlichen Geschehen nicht davon beherrschen zu lassen, dass Du Angst hast! Denn Angst hat keine positiven Nebeneffekte! Sie trübt Deinen Tag, schränkt Dein Denken ein und beeinträchtigt Deine gesamte Lebensqualität. Und ist DAMIT nutzloser als ein Kropf!

Und wenn Du gerne lernen möchtest, in der Vergangenheit „erlernte“ Ängste wieder loszulassen – sprich mich an, ich helfe Dir gerne!

Und natürlich darfst Du diesen Blogartikel gerne liken, teilen, kommentieren und all Deinen Freunden zeigen! Vielleicht gerade denen, von denen Du weißt, dass sie Angst haben … oder Briefträger sind 😉

Bis zum nächsten Mal!

Herzlichst

Deine

Britta Wisniewski